Aus der Chronik von Jungbuch:

Die gute alte Zeit

von Georg Kraus Oberlehrer, Nieder-Jungbuch

Das war die gute alte Zeit:
Sie war so schön und liegt so weit
In blauen Duft begraben,
Und von dem heutigen Geschlecht
Da weiß doch keiner wohl so recht,
Was wir verloren haben.

Die Männer waren besser doch
Und wirtschaftlich die Frauen noch,
Nicht wie die heutigen Puppen,
Die laufen zu Konzert und Tanz,
Und putzen sich mit Flitterglanz,
Und kochen schlechte Suppen.

Die Kinder waren nicht so keck
Und nicht so altklug wie ein Geck
Und trugen keine Brillen.
Auf ihre Eltern hörten sie
Und alte Leute ehrten sie
Und hatten keinen Willen!

Und Ordnung herrschte weit und breit,
Und Biederkeit und Ehrlichkeit,
Man kannte keinen Schwindel.
Doch heut´, wo alles fälscht und trügt,
Da glaubt man keinem, denn es lügt
Das Kind schon in der Windel.

So sprechen diese alten Zwei
Und nicken mit dem Kopf dabei
Und wackeln mit den Hauben.
Die Welt blieb jung – sie wurden alt,
Und an der neuen Zeit Gestalt
Da können sie nicht glauben.

Die heut´ im Jugendglanz stehn,
Im Rosenschmuck zu Tanze gehen,
Auch sie einst werden sagen:
"Sie war so schön und liegt so weit
Die liebe gute alte Zeit
Aus unseren Jugendtagen!"

 

Verlorene Heimat

von Josef Mühlberger

 

Am Heimweg durch die Nacht
hat mir die Stille Angst gemacht –
kein Hund bellt.

Ganz eingehüllt von Morgenlicht
bin ich daheim und bin es nicht –
kein Hahn kräht.

Ist wer zuhaus? Die Fenster sind
von Staub und Spinnweb grau und blind,
die Blumen welk.

Die sie gepflanzt hat und gehegt,
hat zu den brennenden Nesseln
sich schlafen gelegt.

 

Gedicht des Alters

Dichter: unbekannt

Langsam kommst Du in die Jahre,
aber freu Dich ruhig d´rauf.
Hast Du erst mal weiße Haare,
dann hört auch die Hetze auf.
Still schaust Du zurück auf´s Leben,
was so scheußlich schwer oft war,
aber bei der Rückschau eben
wird Dir endlich dieses klar.
Denn Freude, Glück und frohe Stunden,
die das Leben manchmal bot,
hättest niemals Du empfunden
ohne Leid und ohne Not.
Denn alles was Du einst erlitten,
hat nun plötzlich einen Sinn.
Kommt das Alter angeschritten,
nimmst Du alles lächelnd hin,
was Dich früher dazu brachte,
ganz verzweifelt oft zu sein.
Werde alt in diesem Sinne –
denn dann ist Alter Sonnenschein.

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