Abschied von der Heimat

Verfasser unbekannt, 1946 – 1948

Heimat, liebe Heimat, wir müssen von dir gehn
wer weiß ob wir im Leben uns jemals wiedersehn
die schönen dunklen Wälder, die Täler und die Höhn
die sprießend grünen Felder sollen wir nicht mehr sehn.

Das Kirchlein auf dem Friedhof wo unsere Lieben ruhn
auch die müssen wir verlassen unser größtes Heiligtum
die liebe Heimaterde, die Muttersprache süß
vertrieben wir nun wurden aus unserem Paradies.

Wir müssen Abschied nehmen von dir Sudetenland
doch bleibt solang wir leben in unserem Herz gebaut
Du traute Heimaterde, getränkt von unserem Schweiß
wo Gott einst sprach es werde mit Hilf der deutsche Fleiß.

In trüben Morgengrauen wenn froh die Lerche sang
der Landmann ging schon heuen rastlos die Sense klang
Wer kann den Schmerz ermessen der in der Seele brennt
wir haben viel besessen es war uns nicht vergönnt.

O Herr hab doch erbarmen in unser großen Not
verlassen sind wir Armen, ist schlimmer als der Tod.
In Unglück wir geboren der Glaube hart und gut
wir haben viel verloren aber nicht den deutschen Mut.
Wir wollen wieder schaffen von früh bis abends spät
das Glück beim Schopfe fassen in Arbeit und Gebet.

Herrgott nur deinen Segen und gib uns Mut und Kraft
die uns im künftigen Leben die neue Heimat schaft.
Leb wohl Sudetenland, leb wohl viel tausendmal
Leb wohl mein Wald du grüne Au
zum letzten Mal mein Trautenau.

Heimat

Verfasser unbekannt, 1947

Ganz in der Ferne nach Osten geblickt
ließ ich mein einziges die Heimat zurück
vertrieben durch Kriegs- und Hungersgefahren
so mussten wir fliehen vor fast 2 Jahren
Seit dieser Zeit irre ich ruhelos umher
hab kein zu Hause, keine Heimat mehr
Wo seit Ihr Lieben aus meinem Heimatort
verstreut in die Lande, ich hier, ihr dort.

Ob wir uns jemals wieder finden?
Das kann auf Erden kein Mensch uns verkünden
Wie groß die Zahl die gestorben sind
fern der Heimat ihr Grab man find
Das Heimweh zehrt die letzte Kraft
gebrochen von dem, was sie durchgemacht
so mussten sie ihr Leben verlassen
in fremden Häusern auf Straßen und Gassen.

Vielleicht fehlt gar noch die Kindeshand
oder die Mutter am Bett nicht stand
So ließen sie seufzend ihr herbes Leben
fern der Heimat von Fremden umgeben
Und wir, die wir weiter ziehn
und uns um ein neues Leben bemühen
wir stoßen nur auf Schwierigkeiten
den niemand will uns den Weg bereiten.

Ach könnt ich doch wieder ins Heimatland
wo einst bei der Mutterdie Wiege stand
wo ich selig verlebte die Kinderzeit,
ach wie liegt doch alles so weit so weit
Es lässt mir bei Tag und bei Nacht keine Ruh
und schließ ich die Augen noch fester zu
die Bilder der Heimat sie kommen wieder
mit ihnen die alten trauten Lieder
und fragt mich dann jemand was quält dich so sehr
ich hab kein zu Hause, keine Heimat mehr.

< Inhalt >     < Hab´ mich lieb >     < Teichbaudenwirt >     < Verlorene Heimat >     < Vom Rübezahl >     < Gedicht des Alters >     < Kleiner Teich >     < Trautsche Heemet >

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