Habmichlieb von Herzen

von H. Hoppe
Quelle: Zeitung "Herz und Dame", Redaktion Düsseldorf, Ausgabe vom 04. März 1950

Droben trägt ein Blümlein schön
Rote Blütenherzen.
Wer es je hat blühen sehn,
Um den Buben ist´s geschehn,
Singt in Liebesschmerzen:
Habmich – Habmich – Habmichlieb,
Habmichlieb von Herzen.

Habmichlieb, ich pflücke dich,
Ich will mit dir scherzen!
Blümlein spricht: dann welke ich,
Und du singst dann ewiglich
Mit gebrochenem Herzen:
Habmich – Habmich – Habmichlieb,
Habmichlieb von Herzen.

Darum pflückt das Blümlein nicht,
Mit dem Blütenherzen.
Schaut ihm freundlich ins Gesicht,
Liebt es, aber brecht es nicht,
Macht ihm keine Schmerzen.
Habmich – Habmich – Habmichlieb,
Habmichlieb von Herzen.

AK: Aus der Blumen- und Pflanzenwelt des Riesengebirges.
Primula minima / Habmichlieb.

 

Des Blümlein´s
"Hab´ mich lieb"
Erschaffung.

von Forstassessor Alexander Schmook
(Ansichtskarte)

Im Felsgeschrof zur Maienzeit
Ein lieblich Blümlein blüht;
Sein holder Kelch, geöffnet weit,
Wie rotes Herzblut glüht.
Fünf Herzen reckt es wunderzart
Aus dunkelgrünem Trieb,
Die bitten stumm nach Blumenart
Den Wand´rer: "Hab´ mich lieb!"

Vom Veilchenstein ein hohes Schloß
Schaut einst ins Land hinein,
Dort zitterte der Diener Troß
Vor seinem Burgfräulein.
Das war die Schönste weit im Land,
Doch stolz ihr Blick und kalt,
Und niemals noch ihr Herz empfand
Der Liebe Allgewalt.

So viele Freier auch genaht;
Sie lachte alle aus
Und forderte als Heldentat
Den Gang durch Nacht und Graus
Rings um der Schneegrub´ schaurig Grab
Just in der Geisterstund!
Vier Ritter stürzten schon hinab
Zerschmettert in den Grund.

Es höhnte noch zu grausem Spiel
Das Fräulein allzumal.
Doch als der fünfte Freier fiel,
Ergrimmte Rübezahl;
Er hob die Hand, da ward das Schloß
Ein wüster Felsenhauf´,
Das Fräulein in der Schneegrub´ Schoß
Als Irrgeist tauchte auf.

Mit Grausen hört der Wandersmann
Das Klagen im Gestein.
Ein unstet´ Wesen dann und wann
Sieht er im Mondenschein.
Das zieht die Schrofen auf und ab
Und lagert sich am Teich
Und seufzet an der Ritter Grab
Und ist so kalt und bleich.

Doch aus der Opfer rotem Herz
Erschuf des Berggeist´s Hand
Das Blümlein, das jetzt allerwärts
Blüht an der Felsenwand.
Das Sehnen, das in alter Zeit
Zur Wagetat sie trieb,
Aus der fünf Herzen Purpurkleid
Noch klingt es: "Hab´ mich lieb!"


AK: Riesengebirge
Schneegrupen mit Baude, 1490 m . M.
aus dem Jahre 1928.

< Inhalt >     < Trautsche Heemet >     < Teichbaudenwirt >     < Verlorene Heimat >     < Vom Rübezahl >     < Gedicht des Alters >

Copyright 2003-2007, www.riesengebirgler.de