Quelle: "Das Riesengebirge in Wort und Bild" 5. Jahrgang 1885

Über die ehemalige Holzflößerei im Riesengebirge
und
Caspar Nuß von Raigersdorf

von J. Böhm – Trautenau

Mächtige, fast undurchdringliche Waldungen schützen ehedem die Grenze unseres engeren Vaterlandes. In der Breite von vielen Stunden, ja ganzen Tagreisen zogen sich dieselben nicht bloß über die Höhen und Vorberge des Böhmerwald-, Fichtel-, Erz-, Lausitzer-, Iser-, Riesen-, Raben-, Falken-, und Adlergebirges, sondern schlossen auch Böhmen von Mähren und Niederösterreich ab.

Nicht genug können alte Schriftsteller von der Großartigkeit dieser natürlichen Grenzwehr, von der Schwierigkeit, sie zu durchbrechen, erzählen, und Jahrhunderte lang wurde darauf gesehen, daß dem Lande diese eigentümliche Befestigung erhalten blieb.

Die Waldungen im Nordosten Böhmens waren es ganz besonders, welche bei den Nachbarn berüchtigt waren. Von ungeheuerer Ausdehnung, mit Sümpfen und Moorästen zwischen sich und meist gelagert über Gegenden, welche schon ohne sie die schwierigsten Terrainverhältnisse darboten, konnten sie ihre ursprüngliche Bestimmung auf das Beste erfüllen.

Ein polnischer Geschichtsschreiber, der sogenannte Martinus Gallus, vergleicht deshalb den zweiten Kriegszug Boleslaus III. gegen Böhmen (1110) durch sie mit dem Alpenübergang Hannibals. Der Weg wird von ihm als ein schreckenerregender bezeichnet, und von der Gegend sagt er, daß dieselbe niemals zuvor von eines Menschen Fuß betreten worden wäre.[1]

Weit hinein nach Böhmen erstrecken sich diese Waldwildnisse und mußten vielfach mit dem Königreich- Wald zusammenhängen. So mag z.B. erst in der Gegend des heutigen Arnau, in welcher der Herzog Sobeslau (1139) von seinem Hofe Ehwogno (Königinhof) aus die Burg Hostin hradecz (Neuschloß ? Arnau ?) als Bollwerk gegen die Eindringlinge der Polen erneuerte, ein Eingang in dieselben gewesen sein. [2]

Seit dem 13. Jahrhundert wurde es in den umgebenden Grenzwäldern nach und nach lichter. Einsichtsvolle böhmische Herrscher und thätige Mönche riefen fleißige, deutsche Ackerbauern herbei, welche mit ihrer Hände Arbeit den Boden urbar machten, denselben auf die friedlichste Weise zurück erarbeiten und so das vollste Bürgerrecht errangen.

Einige Beispiele mit besonderer Berücksichtigung unserer Gegend, werden hinreichen, das Gesagte zu belegen.

So errichtete Premysl Ottokar I. im Jahre 1213 in einer Gegend, "welche durch ihre weite Einöde erschreckte," eine des Kloster Brewnow untergeordnete Probstei, um welche sich später die Stadt Politz ausbreitete. Im benachbarten Bezirk Braunau wieder, der seiner Natur nach dem vorhin genannten mindestens gleichstand, war es König Johann, der dem damaligen Brewnower Abte, Paul von Bavor, 1322 die Gründung des Braunauer Klosters erlaubte. Bei Trautenau mögen sich die um 1260 von Aegydius von Schwabeun herbeigerufenen Kreuzherren um die Colonisation verdient gemacht haben, und im benachbarten Schlesien stiftete Herzog Heinrich II. (1238) in dem Grenzwalde Gressobor eine Probstei des Stiftes Opatowitz, welches auch um 1290 eine Präpositur im heutigen Hohenelbe gründete.

Trotz aller dieser und anderer Colonisationsbestrebungen blieben aber noch große, weite Waldstrecken unangetastet in den Händen der böhmischen Herrscher. Bei Verpfändungen von Kronlehen behielten sich dieselben ausdrücklich das weitere Verfügungsrecht über frühere Grenzwälder vor.

Im östlichen und nordöstlichen Böhmen galt dieses unter anderen von den Wamberger und Reichenauer Forsten, dem Königreich - Wald und den Trautenauer Obergebirgswaldungen.

Die erstgenannten lagen, wie schon ihr Name besagt, bei Wamberg und bei Reichenau im Gebiete der wilden Adler und Glatzer Neiße. Sie blieben bis zum Jahre 1703 Referatwaldungen und gingen dann in den Besitz Norberts Grafen v. Kollowrat über.

Unter dem Königreich-Wald verstand und versteht man heute noch die Forste und Gegenden zwischen der Elbe bei kaiserlich Döberney ostwärts und der Aupa, genauer: zwischen Mastig ostwärts und Nimmersatt am Schwarzenbach, der bei Hermanetz in die Elbe mündet.

Die in diesem Gebiete liegenden Waldungen gehörten der Hauptsache nach zum k. k. Montangute Döberney, welches 1784 dem ehemaligen k. k. Oberstmünz- und Bergmeisteramte bis 1813 unmittelbar dem k.k. Landesgubernium und von dieser Zeit an dem k. k. Bergoberamte zu Pribram, unter Oberaufsicht der höchsten Landesstelle, untergeordnet war. Beim k. ständischen Recitificatorium wurde es unter der Benennung Kuttenberger Bergwerks- oder Waldamt aufgeführt. Während des Baues der Festung Josefstadt (1781 – 87) dem damaligen Fortification-Directorium zur unbeschränkten Benützung überlassen, wurden diese Wälder in jener Zeit um 300 000 Klafter Holz gebracht. Ihre öffentliche Versteigerung fand im Jahre 1833 statt.[3]

Die Trautenauer Adlergebirgswaldungen, zum Unterschiede von den anderen Trautenauer Wäldern, wie der Königreich-Wald auch genannt wurde, lagen in den nördlichen Theilen des heutigen Trautenauer und Hohenelber Bezirkes, und blieben bis zum Jahre 1731 im Besitze der böhmischen Regenten. Von da ab gingen dieselben in das Eigentum des Ernst Anton Grafen von Schaffgotsch über.

Aus allen diesen Wäldern wurden Jahrhunderte hindurch (bis beiläufig 1729) die Bedürfnisse Kuttenbergs an Bau- und Kohlholz bezogen und gedeckt, am längsten (bis zum Jahre 1762 etwa) aus dem Königreich-Wald. Der Grund ist in Lage dieser Forste zu suchen. Ihr Holz konnte eben durch Flößen auf den in ihnen entspringen, ein starkes Gefälle aufweisenden Flüssen und Bächen am bequemsten bis in die Nähe der genannten Bergstadt gebracht werden, was bei dem früheren Zustande der Communicationsmittel von der größten Wichtigkeit gewesen sein mußte. Besonders dann, als der Holzreichthum um Kuttenberg erschöpft war.

Aus dem Wamberger und Reichenauer Forsten wurde das Holz auf dem Klausenbach, welcher unterhalb Popelow in einer tiefen und engen Felsschlucht in den Stiebritzbach und mit diesem in die wilde Adler fließt, dann auf dem Albabache in die Elbe und auf dieser weiter geflößt.

Aus dem Königreich-Wald wieder geschah das Fortschaffen der Holzmassen größtenteils auf der Elbe und in den Trautenauer Obergebirgswaldungen waren in der genannten Hinsicht die Kleine Aupa, der Kolbenbach und die Aupa besonders wichtig, im minderen Grade vielleicht der Klausengraben (Seifenbach) bei Johannisbad, das Klausenwasser (St. Peterseifen am südlichen Abhange des Brunnberges entspringend und bei Friedrichstal in die Elbe mündend und der Klausenbach, welcher vom Planur kommt und bei den Klausebauden (Klauselberg) in die Elbe fließt.

Immer also vereinigten sich die Holzmassen in der Elbe und gingen auf ihr bis zur Baschta von Altkolin, von wo aus sie nach Kuttenberg gebracht wurden.[4] Laut Edictes K. Georgs vom Jahre 1459 schon mußten alle, welche Holz auf der Elbe herabflößten, vier Tage lang bei Altkolin warten und den Kuttenbergern das Benötigte verkaufen.

Die Thätigkeit der Flößer und Holzknechte hing natürlich mit der Blüte des Kuttenberger Silberbergbaues zusammen, und da derselbe unter Maximillian II. und Rudolf II. seine letzten glücklichsten Zeiten erlebt hatte, so wurden auch unter diesen Kaisern die genannten Wälder am meisten mitgenommen.

Ferdinand I. schon scheint sie für den Dienst Kuttenbergs ins Auge gefaßt zu haben, wohl auf Anrathen seines Berghauptmannes Christoph von Gendorf, der 1533 das Gut Hohenelbe, 1541 Schatzlar gekauft hatte, mit Trautenau belehnt und wahrscheinlich auch mit der Aufsicht über die kaiserlichen Wälder betraut war.

Gendorf starb am 05. August 1563, und schon am 09. November desselben Jahres erging an Georg von Waldstein auf Arnau, Christof Silber von Pilnitau auf Wildschütz und die Brüder Zdenko und Georg Chwalkowsty zu Chwalkowitz das Verbot, das Fällen und Abhauen der Stämme, sowie den Verkauf des Holzes aus dem Walde Königreich (králowstwi) zu unterlassen, da sie dazu weder befugt noch berechtigt seien, und auch fernerhin in demselben Jagd zu halten sich nicht unterstehen sollten. Der Eustachia, Tochter Christophs von Gendorf, wurde der Auftrag zur besseren Aufsicht gegeben, so lange die kaiserliche Commission zur Ausmittlung einer besseren Pflege und Aufsicht dieser Gebirgswaldungen nicht erscheinen wird.[5]

Diese kam am 05. Juli 1564 in Trautenau an und begab sich am anderen Morgen in Begleitung von 15 Trautenauer Bürgern in den Königreich-Wald, beging denselben und ließ sich von dem Trautenauer Maler Simon Hüttel die Grenzen "abreiszen und entwerfen." "Also hab ich", sagt dieser in seiner Chronik[6] "alles vleisig abgemalet und angefangen bei dem Marschov und folgens bisz obig die Behmische Purwitz (Borowitz) sambt allen gereutzen und Dörfern zu beiden seiten dem Königreich gelegenheiten und sind von dem 6. tage julius bis auf den 15. tag heumrn, das ist in 10 tagen allererst herumbkomen."

Im Jahre 1555 wurde dann Nikolaus Wachtel von Partenau, Burggraf zu Brandeis, zum Oberstforstmeister über die Trautenauer Waldungen ernannt, u. zw. mit dem Bedenken, er habe die gehörige Aufsicht zu führen, niemanden zu gestatten, Holz zu fällen und wegzuführen oder Jagd zu halten, sondern aus diesem Forste das Holz nach Kuttenberg auf der Elbe hinunter zu befördern und für den künstlichen Nachwuchs der Waldungen Sorge zu tragen. Den kaiserlichen Commissären Zdenko Zaruba und Martin Sudkowsky wurde der Auftrag zum Ankauf des nächst Königinhof gelegenen Hofes Borletko wegen Errichtung eines Forsthauses gegeben und die Gemeinde Königinhof diesbezüglich angegangen, in den Verkauf ohne Schwierigkeit einzugehen. Da jedoch dieser Hof nicht der Gemeinde, sondern dem Hans von Vorluf gehörte und er mit seinem Weibe und seinen Kindern weinend bat, man möchte ihn in diesem Besitze lassen, so wurde der Gemeinde Königinhof aufgetragen, sie solle eine Wohnung für den Forstmeister kaufen helfen. Da sich aber niemand hierzu geneigt zeigte, so wurde angeordnet, man könne keinen Untertan dazu zwingen.[7]

Bezogen sich diese Bestimmungen hauptsächlich auf den Königreich-Wald, so begann man auch in dieser Zeit die Trautenauer Obergebirgswaldungen gehörig dazu auszubeuten. Der bereits genannte Hüttel, dem wir die näheren Mitteilungen über die Holzflößerei im Riesengebirge verdanken, erwähnt hier der Schwatzer und Holzknechte zum Jahre 1665 das erstenmal, indem er sagt, daß ein großes Wasser aus dem Gebirge denselben "Lehrgeld gegeben habe".

Im Jahr 1566 kamen Kuttenberger Amtsverwalter nach Trautenau und ließen daselbst ein neues Haus (zur Unterbringung des Forstmeisters und Zahlmeisters wahrscheinlich), einen großen Holzrechen, Archen[8] und Wehre in der Aupa errichten.

Ein Jahr später wurde dann die große Wasserklause[9] in die Aupa gebaut. Ihr Damm war 120 Ellen lang und 16 Ellen breit "an die joch und Flügel zum wasserthoren," ihre Tiefe betrug 15 Ellen "oder 5 man hoch." Die Herstellungskosten betrugen 2 500 fl.; da sie später "wandelbar" wurde, waren noch 700 fl. notwendig, sie in brauchbaren Stand zu setzen.

Hüttel bemerkte weiter: "Die Holzriesen[10] am Schwarzenberg sind 500 fach lang, lenger dan 1 500 waltlochtern, sie gestehen 800 fl. zu bawen. Das neuw wassergerinne ist 1 600 waltlochtern lang und 2 elen brait. es gestehet 1 300 fl. zu machen vom neuen Seuffen herab bisz in die Aupa unterhalb Marschendorf."

Im Jahre 1567 wurde auch eine Klause in die Kleine Aupa (Hüttel sagt einmal in das Kolbenthal) gebaut, welche 1575 von dem Klausenmeister Hans Oter von Aussig erneuert wurde, wobei Erdreich auf eine Tiefe von 900 "Stichen" ausgehoben werden mußte. Die Herstellungskosten dieser Schleuse betrugen 7 000 fl.

Nach zwei Jahren (1569) schickte der Kuttenberger Münzamtsverwalter den "pan Girzig z Razne", einen Goldschmied und Markscheider, gegen Marschendorf, um die besten Orte ausfindig zu machen, behufs Anlage neuer Klausen. Er brachte 4 Wochen im Riesengebirge zu und verzehrte während dieser Zeit mit seinen Gesellen 82 fl. Wie er dies bei den damaligen Zuständen im Riesengebirge möglich machte, ist freilich ein Rätsel.

Ob auf das Referat dieses Markscheiders hin neue Klausen hergerichtet wurden, ist nicht bekannt. Erst im Jahre 1584 wurde wieder eine solche "geschlagen" (gebaut), behufs Stauung des Wassers der Kleinen Aupa. Sie war "aus dem Grunde bis zu öberst 36 ringe hoch" und kostete 4 000 Thaler.

Manche Dammüberreste dieser und anderer Klause werden heute noch von alten Leuten im Riesengebirge gezeigt. Am bekanntesten sind jene hiehergehörenden Überbleibsel, welche in der Nähe der Kapelle im Riesengrunde deutlich unterschieden werden können. Sie führen den Namen Klausenhübel. –

Daß dann, wenn das Klausenwasser zu hoch gestaut wurde, oder wenn Hochwasser die Schleusendämme zerriß große Verheerungen der Aupaufer angerichtet wurden, ist natürlich. Hüttel erwähnt solche Fälle wiederholt. So wurde 1576 die Spitalbrücke in Trautenau vom Klausenwasser zertrümmert und 1 großer Kasten von 3 Klafter Länge, der voller Steine war, überstürzt und 13 Klafter weit mit fortgeführt. Die Schwatzer und Holzknechte sagten "Rübezagel hab die klausen gezogen und ihren Klausenmeister auch mit ertrenkt."

Im Jahre 1579 nahm das Klausenwasser die Holzriese im Dunkelthale mit sich fort und überstürzte das Häuschen der Matz Lange in Marschendorf, wobei dessen Weib nebst seinen 4 Kindern ertrank.

Im Jahre 1581 wieder führte das Floßwasser den Simon Just zu Altstadt sein Haus fort, wofür ihm die kaiserlichen Amtsleute 30 Thaler auszahlen mußten.

Im Jahre 1591 wurde aus einer gleichen Veranlassung das Häuschen des alten Wyck Simons in Trautenau zerstört, die Arche fortgeführt und auch andere Häuser arg beschädigt.

Großen Nachtheil brachte das Holzflößen auch dem Fischreichthume der Aupa[11] , so daß Hüttel einmal (unter fremden Namen) klagt: "Es wird viel frembde volck seltsamer rede und arrt in´s Riesengebirge kommen, die welde vertreiben lang zeiten viel jahr. Das Holz wird tewer werden. Das wasser die Aupa wird dem dreier kaiser zeiten unsichtbar sein, und kein fische drinen wachsen werden."

Unter dem fremden Volke seltsamer Rede und Art sind offenbar die wiederholt erwähnten Schwatzer und Holzknechte zu verstehen. Dieselben arbeiten in großer Zahl in den Riesengebirgswaldungen. Im Jahre 1575 zählte man ihrer 371, und zum Jahre 1591 bemerkt Hüttel: "Am pfingstdienstag sind 300 schwatzer holzknechte gen Trautnaw auf den schloßhof kommen, da hat ihn ein e. rath 2 fas bier geschenkt und umb 2 thaler brot". Einer ihrer Kameraden hatte sich, nebenbei bemerkt, 1574 "bei Justlin im brannten wein zu tode gesoffen", einen andern, Lang Matzen mit Namen, ließ (1583) Georg von Waldstein hängen!

Woher der Name Schwatzer stamme, ist nicht sicher bekannt. Kamen die Leute, welche ihn führten, aus einer der Alpengegenden (Schwaz in Tirol ?), wo noch heute die Holzknechte eine wichtige Rolle spielen und wurden von Gendorf, der aus Kärnten stammte, ins Riesengebirge gerufen?

Oder hängt der Name mit dem Zeitworte schwatteln (vgl. Schmeller, II. 651), überschwanken (von Flüssigkeiten), ...hern (in solchen) zusammen? Im letzteren Falle wäre das Wort gleichbedeutend mit Flößer, welche Meinung auch Hruschka in seinem Glossar zu Hüttels Chronik ausspricht. –

"Das Holz wird theuer werden," klagt der Chronist in den obigen Zitate weiter.

Dies, sowie der Umstand, daß es für die Anwohner der Aupa gar so verlockend gewesen sein mußte, das Holz, welches in der Nähe der Wohnungen dahinschwamm, ohne viele Mühe in ihren Besitz zu bringen, machte wiederholte strenge Verbote gegen das Holzstehlen nothwendig.

So wurde im Jahre 1588 auf dem Trautenauer Schlosse der Befehl erlassen, Klausenholz nicht zu entwenden – bei Leibesstrafe. 1589 wieder erließ der Kaiser ein diesbezügliches Mandat, welches aber wenig gefruchtet zu haben scheint, denn 1591 mußte der Trautenauer Pfarrer "ein scharf holzmandat" auf der Kanzel verlesen, ebenso 1600. Im Jahre 1593 ließ der Forstmeister Caspar Nuß vor den Thoren Trautenaus den Holzdiebstahl laut verbieten, und im Jahre 1596 endlich mußten die Trautenauer Thorhüter Eide schwören, die Holzstehler anzuzeigen.

Auch anderweitig wurde am Flößholze gesündigt. Hüttel sagt zum Jahre 1580 "und ist dieselbige Nacht (18. Juni) obig Marschendorf in Dunkelthal hinter der klausen in Posers haw und bis Borreyters haw ein heimlich angelegtes feur angegangen, das da ir Rom. kais. maj. ist großer schad geschehen. und sind in die 100 000 wer holz verbrandt. ein dreiling holz heist ein wer, 50 ist an zal, 50 zal ist ein tausend und von jeden tausend 19 gulden zu lohn, das macht in die 2 000 gulden. es hat ein nacht und ganzen tag gebrent, dan das holz ist so hoch gewest, als irgend ein haus hoch." –

Die Unkosten, welche die verschiedenen Vorrichtungen, das Fällen und Flößen des Holzes verursachten, waren bedeutende. Sie repräsentierten die Summe von 2 900 Schock Groschen, "das jerlich in die 20.00 fl. auf das Kuttenbergische Bergwerk und holzriesen aufgehet auf archen, rechen, klausen im Hrisengebirge. es wird auch darkegen übers jar 5000 wöchentlich auf Kuttenberg gemüntzet,. Item 1800.000 auch oft 1900.000 wehr holz wird in einem jar auf Kuttenberg geflüst und ist die Besoldung von 1000 wehr aufs wenigste 12 fl. so es aber böse ist, zun den hrisen zu bringen, so gibt man gern 18 und 19 fl. vor 1000 wehr holz abzuhaken, und die holzknecht haben ihr sonderliche besoldung, ein tag einem 10, 12 kreizer, darnach einer arbeit."

Einer Auszahlung der Schwatzer und Holzknechte im Vortrage vom 1266 fl. wird übrigens zum Jahre 1567 das erstemal Erwähnung gethan. Es erschienen aus diesem Grunde der Buchhalter Christian Dietrich und der Münzschreiber Georg Schattney von Olivett von Kuttenberg in Trautenau.

Von dem Thun des oben genannten Oberstforstmeisters Nikolaus Wachtel von Partenau konnte bisher nichts in Erfahrung gebracht werden; besser sind wir von dem Wirken des Forstmeisters Caspar Nuß in Raigersdorf[12] unterrichtet.

Derselbe wird von Hüttel im Jahre 1573 das erstemal erwähnt, bei Gelegenheit einer Grenzbegehung der Trautenauer Wälder um den Helfenstein.[13]

Woher der Genannte stammte, ob aus Mähren, wo zwei Orte den Namen Reigersdorf führen, oder aus Kärnten woselbst sich bei Klagenfurt ein Reigersdorf findet, konnte bisher nicht ermittelt werden.

Geboren im Jahre 1537, diente er den Kaisern Ferdinand I., Maximilian II. und Rudolf II. Sein Wirken als Forstmeister muß nach den vorhandenen, leider nur fragmentarischen Überlieferungen, ein recht ersprießliches gewesen sein. Er beging fleißig die Grenzen der kaiserlichen Waldungen und sah darauf, daß die Nachbarn ihre Gelüste nach dem Holze seines hohen Herrn zähmten, half auch mit seinen Leuten den Trautenauern, wenn diese ihren edlen Angrenzern die Begriffe und Unterschiede von Mein und Dein beibrachten oder wenigstens beizubringen suchten, befehligte das Heer der Schwatzer und Holzknechte, die Holz und Zahlmeister und erließ an die Anwohner der Aupa wiederholt strenge Verbote, das Stehlen des Floßholzes zu unterlassen.

Als guter Katholik brachte er es dahin, daß der Trautenauer Pfarrer Johannes Tymus (1575) zweimal vor dem Prager Erzbischof erscheinen mußte "von wegen der predigt. so er zum öfternmal wider den Forstmeister gethan, darin er in solt verunglimpft an seinen ehren haben". Das Gleiche mußte (1594) der Pfarrer Tobias Scharfenberger thun, der dem Nuß wieder nicht rechtgläubig genug gewesen zu sein schien.

Wiederholt wurde dem energischen Forstmeister der Auftrag gegeben, in Gemeinschaft mit dem Primas von Trautenau, oder auch ohne diesen "die pauren helfen zu regieren."

Gewohnt scheint er mit seiner Familie zu haben theils in Trautenau, theils in Altstadt. In der Kirche des erstgenannten Ortes ließ er 1580 ein kleines Epitaphium anbringen, wohl aus Anlaß des Todes seines Sohnes Wilhelm, der 1579 starb und in Trautenau begraben wurde.

Länger scheint Nuß in Altstadt seine Wohnung aufgeschlagen zu haben. In dieser kam 1590 Feuer aus, das aber glücklicherweise gedämpft wurde. In Marschendorf wieder fing er 1599 an zu bräuen "gut bir, das Fasz umtb 4 taler."

Von seinem reichen Kindersegen folgte ihm sein im Jahre 1630 gestorbener Sohn Caspar im Forstmeisteramte, während drei seiner Kinder: Erasmus, Hans und Wenzl in Kriegen gegen die Türken den Tod fanden. Seine einzige Tochter, über die Hüttel, nebenbei gesagt, eine eigenthümliche Bemerkung macht, heirathete den Christoph Menmer von Pilnitan und starb schon 1625, sein Sohn Wilhelm im Alter von zwei Jahren, und auch die übrigen Kinder Nuß´: Thimotheus und Andreas, scheinen kein hohes Alter erreicht zu haben.

Caspar Nuß von Raigersdorf starb im Jahre 1606 und liegt in der Kirche in Altstadt begraben. Dort ist ihm und seine Frau Katharina, geborene von Plauen (gestorben 1605), ein schönes Grabdenkmal errichtet worden, das ein Meisterwerk der Kunsttischlerei und Holzschnitzerei weit herum in der Umgebung Trautenaus nicht seines gleichen hat.

Unbekannt ist der Meister, welcher es schuf. Daß dieser aber tüchtig in seinem Fache war, seinen Geist an den Vorbildern der italienischen, französischen und deutschen Renaissance wohl gebildet haben mußte, das zeigt sein Werk, von dem wir eine Abbildung (des Kostenpunktes halber leider nur in Autographie) diesen Zeilen beischließen.



Das Innere der Kirche in Oberaltstadt.
Links ist das Grabmal von Caspar Nuß zu sehen.

Foto: Ludek Jirasek, 2006


[1] Beleg bei Loferth, der Grenzwald Böhmens in den Mittheilungen des Vereins zur Geschichte der Deutschen in Böhmen. XXI., 185.
[2] Darauf scheint auch der Ortsname Kottwitz (von choditi - gehen, wegen der Thätigkeit der Grenzwächter ?), wie Stritez von strici = bewachen ?) Burgersdorf, südlich von Trautenau, hinzudeuten. Überhaupt drängte sich dort, wo Saumwege durch die Pässe (Landesthore) der mit dem Grenzwalde bestandenen Gebirge Böhmens führten, die slavische Bevölkerung des Landes am weitesten an die Grenzen der Nachbarländer vor und ließ sich keineswegs, wie so oft behauptet wird, von dort verdrängen. Ein Blick auf eine Sprachenkarte Böhmens bestätigt dies vollkommen. Man fasse nur die Gegend von Taus (Tauser Paß), Böhmisch Aicha (Verbindungsweg über Gabel nach Zittau, Rochlitz (Paß von Neuwald), Trautenau. (Paß von Königshan), Nachod (Reinerzer Paß), Landskron u. a. in´s Auge.
[3] Sommer, das Königreich Böhmen, IV., 92.
[4] Die Leute, welche solches bewerkstelligten, selbst die Köhler, welche den Kuttenberger Schmelzöfen die Kohlen zuführten, genossen von den Seiten Wenzels II. her besondere Privilegien. Sie bildeten eine eigene Zunft, hatten ihre gewöhnlichen Versammlungen zu Pribram, waren wie andere "Bergwerksverwandte, dem Oberstmünzmeister untergeben, von Krieg, Steuern, sogar dem Zolle, befreit und blieben von der Theilnahme an Kriegszügen so viel als möglich verschont." (Peithner, mährischen Bergwerke, 112).
[5] Illustrierte Chronik von Böhmen I. 24 u. f..
[6] Simon Hüttels Chronik der Staat Trautenau Beschreibung von Dr. Ludwig Schlesinger im Auftrage des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen, 176.
[7] Illustrierte Chronik von Böhmen I. 72 u. l.
[8] Befestigung des Ufers gegen das Reißen des Flusses. (Vgl. Schmeller, bairisches Wörterbuch, I., 138.)
[9] Unter Klause (Holzklause, Wasserklause) verstand man eine Art Schleuse, welche zur Aufstauung und Anschwellung eines sonst nicht hinlänglich starken Gebirgswasser, in einer dazu tauglichen Felsenschlucht aus Baumstämmen aufgeführt wurde, und bei deren Öffnung der durch die Verschließung nach oben zu angeschwellte Bach in solcher Stärke hervorstürzte, um das von den Riesen herabgeschossene und in seinem Rinnsal liegende Trittholz forttragen zu können. (Vergleiche Schmeller, I., 1339).
[10] Die Riesen sind entweder natürliche, von aller Vegetation entblößte Rinnen an einem Berge, von welchen Wasser, Gestein, Sand u.s.w. nieder

"reiset" auch gleichlanges Holz herabgeschossen (herabgelassen) wird – oder, wie in unserem Falle, künstliche, aus glatten Baumstämmen zu diesem Zwecke erbaute Rinnen. Die Riesbäume sind aa, das Joch oder Polsterholz, b der Biel (jener Baumstamm, an den sich die übrigen anlegen), der mittlere Biel, cc der Wehrer oder die zwei äußeren Biel, dd die zwei Sättel und ee die zwei Übersättel. Besteht eine künstliche Riesen aus den bloß neben einander liegenden Bäumen (Trägern) so heißt sie ungesattelt, hat sie links und rechts einen Baum als Geländer (Wehrer), so ist sie gesattelt. Ist sie wasserhaltig, um das Herabgleiten des Holzes durch Wasser oder dies zu befördern, so wird sie eine Wasser oder Eis-Riesen genannt. Oft ist eine solche Riesen auf Stützen (Böcken) hoch über die Ungleichheiten des Bodens und über Abgründe hingeführt. (Vgl. Schmeller, II., 117).
[11] Derselbe mußte früher sehr bedeutend gewesen sein. Schon die ältesten Sagen über die Entstehung Trautenaus erwähnen die Forellen der Aupa. In der wichtigsten Urkunde König Wenzels II. vom Jahre 1301 wird den Bewohnern Trautenaus und den Hospitalbrüdern das Fischen im Aupaflusse zugestanden, was später 1340 vom König Johann näher bestimmt wurde. Im Jahre 1505 fing der alte Aust Fabian in der Hirschentiefe oberhalb der Papiermühle eine Lachsforelle "lenger, dan ein Klafter" (?) und verehrte dieselbe den Gebrüdern von Schumburg, seinen Brotherren. Aust starb 1537 und bekannte auf den Todtenbette, daß er 19 Personen im Riesengebirge ermordet habe, welche ihm in der Kleinen Aupa die Fische gestohlen. Er sagte das er noch gerne einen Menschen erschlagen hätte, "daz er die Zaspel hab zugefitzt bis auf zwanzig." O tempora, o mores!
[12] Reichersdorf nach dem heutigen Sprachgebrauche; denn mittelhochdeutsch raiger = Reiher.
[13] Der sagenreiche Helfenstein bei Marschendorf nach der Beschreibung Hüttels identisch mit dem heutigen Harfenstein.

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