Die Laboranten von Krummhübel

von Hans Reitzig

Quelle: Gauverrlag – NS – Schlesien / Breslau 1843 (Seite 17 – 19)

Schon um die Mitte des 16. Jahrhunderts waren Bergleute und Holzfäller aus den Alpen ins Riesengebirge gekommen. - Am Schwarzenberg bei Johannisbad fanden sie zuerst Beschäftigung. – Dass unter den "Schwozern" (wie diese Umsiedler von den Einheimischen nach ihrem Sammel- und Ausgangsort, der Tiroler Bergwerkstadt Schwaz, genannt wurden) Leute waren, die in der Kräutermedizin Kenntnisse hatten, ist verständlich. Denn die Alpen sind die Urheimat des Laborantenwesens. Als im Jahre 1623 evangelische Böhmen ihres Glaubens wegen flüchten mussten, brachten sie ihre von den Tirolern erworbenen Kenntnisse in die schlesischen Gebirgsgemeinden und ganz besonders nach Krummhübel.

Die Richtigkeit dieser Auffassung wird 1774 durch die "Schles. oekonom. Nachrichten" bestätigt. Danach hätte ein Krummhübler namens Exner von einem Schwarzenberger Laboranten gelernt "verschiedene Kräuter und Wurzeln zum medicinischen Gebrauch zu präparieren". Dieser Exner ist also von dem Schwarzenberger in die Grundbegriffe des Laborantengewerbes eingeführt worden und kann somit als der erste Krummhübler Laborant gelten.

Es sind aber auch, wie Familien-Namen beweisen, eingewanderte Älpler über den Kamm gezogen, um sich in der Krummhübler Gegend niederzulassen. Im ersten Grenzbegebungs-Protokoll der Herrschaft Schaffgotsch vom 9. Juli 1670 werden neben den Krummhübler Wurzelmännern Exner und Grussmann (Grossmann) die "Baudenleuthe" Margsteiner und Einthater genannt. Ein Florian Hüttich hatte das Krummhübler Haus Nr. 7 erworben, die "Buschmühle" am Fuße des Zeisgenhübels (wie ehedem der Pfaffenberg hieß) war in den Besitz einer Familie Sanitter übergegangen und der Name Schlingel (Schlingelbaude) ist ebenso Tiroler Ursprungs wie die Häusler-Familie Gemsjager, "am Brickenberge", die noch um 1750 in den evangelischen Kirchenbüchern zu Arnsdorf verzeichnet wird.

So wird es erklärlich, daß man ums Jahr 1700 am Koppenkegel ein dem tiroler Latschenöl ähnliches Präparat kaufen konnte, während die Einführung der in den tiroler Bergen für gute Pflanzenfundorte häufig vorkommenden Bezeichnung "Teufelswiesen" im Riesengebirge schon viel eher stattgefunden hatte.

Schließlich sei als weiterer Beweis dafür, daß das Laborantenwesen von Tirol über Schwarzenberg nach Krummhübel gekommen ist, die Tatsache angeführt, daß das älteste und einzig erhaltene Rezept-Buch der Laboranten – das "Medicin-Buch vor Joh. Christoph Rittmann in Krummenhübel 1792" – neben den ursprünglich in Tirol verfertigten Skorpion- und Steinölen und einer bestimmten alpenländischen Theriak- oder Mithridatsorte auch noch drei "Schwarzenberger" Medikamente aufweist.

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