Quelle: "Aus Rübezahls Heimat"

Aus der Chronik des Riesengebirges

von W. Hofmann mit einigen Ergänzungen

Böhmen gehörte bis 973 zur Diözese Regensburg.

Ab 973 gehörte Böhmen zur neugegründeten Diözese Prag, die dem Erzbistum Mainz unterstellt war.

Um das Jahr 1000 soll nach Aufzeichnungen in der Trautenauer Stadtchronik von Johann Hetkowe oder Chotkowe, die lauwarme Quelle von Johannisbrunnen oder Johannisbad entdeckt worden sein. Erst um das Jahr 1680 wurde sie auf Veranlassung des Fürsten Schwarzenberg bekannt. Dieser ließ mehrere Gebäude für die Badegäste hier errichten.

1009 soll das, Städtchen Freiheit unter dem Fürsten Udalrich von Peter Hostelvosky erbaut worden sein. Das Bergstädtchen verdankt seinen Ursprung dem Gold? und Silberbergbau am Güldenen Rehorn. Von Ferdinand I. und Rudolph II. mit den Freiheiten und Gerechtsamen der Bergstädte begnadigt, wurden diese von Ferdinand III. 1648 bestätigt.

1108 wurden die warmen Quellen zu Warmbrunn entdeckt.

1148 soll Schmiedeberg, das erst zu Anfang des 16. Jahrhunderts eine Stadt wurde, durch den Bürgermeister Lorenz Angerl entstanden sein, der hier Eisenerz graben und Eisenhämmer anlegen ließ.

1242 wurde Grüssau von der Herzogin Anna, Gemahlin Herzogs Heinrichs des Frommen gestiftet und mit Benediktinermönchen besetzt, die es für 240 Mark Silber dem Herzog Bolko mit der Begründung verkauften, es zu einer geistlichen Stiftung zu verwenden. Dieser rief 1292 die Zisterzienser Mönche herein. Bis zum Kolbendorfer Wasser (Kolbenbach) sollen die Besitzungen von Grüssau gereicht haben.

Herzog Bolko zu Schweidnitz erbaute 1292 Kynast, oder vielmehr er befestigte das auf diesem Berge bestehende Jagdhaus Neuhaus. Zufolge der Urkunde vom 11.1.1366 gab Kaiser Karl IV. den Städten Hirschberg, Haynau und Landshut die Freiheit, ihre Waren zollfrei nach Breslau zu führen und zu verkaufen, welches Recht auch die Handelsleute in Breslau in den erwähnten Städten erhielten.

1344 wurde die Erzdiözese Prag errichtet. Damit verbunden war die Einrichtung des Bistums Leitomischl, das für den östlichen Teil des Landes zuständig war. Durch die Wirren in der späteren Hussitenzeit zerfiel das Bistum.

1424 wurde das zu Mönchsdorf an der Elbe (Herrschaft Starkenbach) früher bestandene Malteserstift von den Hussiten zerstört.

1426 wurde das befestigte Kynast von den Hussiten vergeblich berannt.

1447 wurde das Schloss Schatzlar von den Schlesiern und Lausitzern zerstört, nachdem der Besitzer, Johann Kolb, Räuberei und Wegelagerung betrieben hatte. Das gegenwärtige Schloss wurde 1750 von den Jesuiten erbaut, brannte 1759 durch einen Blitz zum Teil nieder, 1770 wieder aufgebaut und im Kriegsjahr 1778 von den Preußen arg wüstet.

1535 erhielt der früher Giersdorf genannte Ort an der Elbe den Namen Hohenelbe. 1556 wurde das herrschaftliche Schloss zu Hohenelbe von Christoph von Gendorf erbaut, nach anderen Vormerkungen schon im Jahre 1536. Um 1667 wurde die berühmte Papierfabrik von Christoph Weiss gegründet und in den Jahren 1824 bis 1830 vom Beisitzer Ettl Gabriel bedeutend erweitert.

Die erste Ansiedlung des Städtchens Schwarzenthal datiert aus dem Jahre 1556, das früher von einer durch die Bergleute gegründeten Kapelle, die sie Gotteshilfe nannten, diesen Namen führte. Eucharia von Gendorf schenkte zu dieser Ansiedlung die ersten Gründe und Felder.

1558 wurde zu Rochlitz von Albrecht Gottfried Krzinetzky, Herr auf Starkenbach und Rochlitz, zuerst eine Kirche von Holz, die von Graf Ernst Guido von Harrach 1754 neu in Stein erbaut wurde.

1568 wurde die Kirche zu Marschendorf zuerst von Holz, im Jahre 1608 von Stein erbaut (protestantisch).

1617 wurde zu Schreiberhau in Hoffnungsthal die erste Glashütte von Wolfgang Preussler, einem Böhmen, erbaut.

1622 wurde zu Marschendorf die katholische Religion wieder eingeführt.

Am 10. November 1664 gründete Papst Alexander VII. die Diözese Königgrätz, zudem auch das Riesengebirge gehörte.

1666 ging im Riesengrund eine Schneelehne nieder, zerdrückte zwei Bauden und schleuderte sie etwa 500 Schritte weit. Acht Inwohner verloren dabei das Leben.

1668 wurde die Kapelle auf der Riesenkoppe von dem damaligen Kammerpräsidenten Christoph Leopold Grafen von Schafgotsch, zu bauen begonnen. 1673 wurde der Bau beendet und für den katholischen Gottesdienst eingeweiht.

Am 31.08.1674 traf während eines Gewitters ein Blitzstrahl den Turm, das Dachwerk und Gebälk der Gemächer von Kynast. Das Feuer zerstörte alles bis aufs Mauerwerk; seit diesem Brande liegt die Burg öde und zum Teil verfallen.

1696 wurden in der Hampelbau, die in alter Zeit auch die Koppenbaude genannt wurde - zum Gedächtnis bereits hier gewesener und zum Vergnügen noch nachkommender Reisender - die Koppenbücher eingeführt.


1700 sollen sich zwei Prager studiosi medicinae wegen eines Duelles ins Riesengebirge geflüchtet haben. Sie ließen sich im schlesischen Riesengebirge nieder und begründeten die nachherige Laboranten-Innung zu Krummhübel. Johann Exner und Melchior Grossmann sollen die ersten Schüler dieser Flüchtlinge gewesen sein.

1732 wurde die Glashütte zu Neuwelt erbaut.

1738 ließen die Grafen Schafgotsch die Quellen der Flinsberger Säuerlinge, die das gemeine Volk "Bierbrunnen" nannte, untersuchen und setzten sie darauf im, Jahre 1754 in Betrieb.

1760 wütete vom 05. bis 08. Dezember ein Orkan im Gebirge in der Ost-West-Richtung, welcher Wälder entwurzelte, Wohngebäude der Dächer beraubte, und selbst die unteren Geschosse der Häuser zerriss, verschob oder hinwegschleuderte. Allein im Hohenelber Gebiet wurde der Schaden auf 100 000 Klafter Holz, in den Starkenbacher Gebirgswäldern sogar auf 150 000 Klafter veranschlagt.

1771 schlug der Blitz in die Kapelle der Koppe, zerriss die dicke Mauer der Innenseite von unten bis oben hinauf, zersplitterte den Dachstuhl und schlug der am Altar stehenden Statue des heiligen Laurenz den Kopf ab.

1771 - 1773 raffte eine furchtbare Hungersnot und Ruhrepidemie und eine sogenannte Faul- oder Nervenfieber-Epidemie in dem an Getreide ohnedies so armen Riesengebirge viele hundert Menschen weg. Man sprach unter der Bevölkerung nur von der Hetkrankheit (Hautkrankheit).

1779 übernachtete Kaiser Josef II. mit seinem General Laudon in der Mohornmühle, der ältesten Baude Kleinaupas.

1785 zeichnete sich der Winter durch große Kälte und ungeheure Schneemassen aus, die nicht nur das Gebirge, sondern auch das Flachland bedeckten. Viele Menschen verloren im tiefverschneiten Gebirge ihr Leben. März und April schneite es abermals sehr stark und die Schneelast taute erst Ende des Monats April auf, was ein Steigen der Bäche und Flüsse zur Folge hatte. Die Vorstädte Hirschbergs sowie alle jenseits des Bobers gelegenen Dörfer waren zwei Tage von der Stadt abgeschnitten. Die Bewohner flohen vor den Wassermassen auf die Dachböden und wurden mittels Floße mit Lebensmitteln versorgt.

Am 20. Juli und am 14. und 15. Oktober überschwemmte der Zacken weite Gebiete.

Am 27., 28. und 29. August 1785 war in Greifenberg eine solche Kälte, dass sich die mit der Ernte beschäftigten Bewohner mit und Pelzen und Pelzmützen bekleiden mussten. Auf der Koppe lag der Schnee drei Finger dick und die Teiche waren so stark zugefroren, dass hinuntergeworfene Steine am Eis liegen blieben.

1788 - 1789 in Großaupa I. Teil wurde eine Kirche über Antrag Kaiser Josef II. erbaut, welche im Innern den österreichischen Adler trug. Ebenso auch in Kleinaupa.

1789 waren zur Weihnachtszeit eine Kälte sowie ungeheure Schneefälle, dass wegen Ungangbarkeit der Wege die Christnacht in den Dörfern entfiel. Wen es auf die Gasse trieb, dem froren die Augen zu und der Sturm benahm ihm den Atem. Früh zeigte das Thermometerminus 25 Grad, abends 26 Grad und um die Mittagszeit 16 bis 17 Grad. Kälte und Schnee forderten viele Menschenopfer.

1792 wurde am 4. und 5. Mai der bewohnteste Teil Schmiedebergs durch ein Feuer zerstört. 80 Familien wurden obdachlos, 47 Wohngebäude und 46 Seiten- und Hintergebäude wurden in Schutt und Asche gelegt. Der Schaden betrug 60 000 Rheinische Thaler.

1794 erfror infolge der großen Kälte die alte Baudenbesitzerin am kleinen Teich. Am 22. August dieses Jahres suchte ein Wolkenbruch das Gebirge heim, der durch das ungeheure Anschwellen der Gewässer in der Stadt Hohenelbe alle drei Brücken mit fortriss. Die Überschwemmung war eine der fürchterlichsten seit Menschengedenken.

1795 / 96 gab es fast keinen Schnee und es war so warm, dass bereits im Jänner geackert wurde. Die Sommerernte war sehr ergiebig. 1756 / 57 war es ebenso. Anfang Feber fingen die Bäume an zu treiben. Primeln, Veilchen, Anemonen blühten schon im Jänner. Rosenstöcke schlugen im Feber im tiefen Lande bereits aus. Selbst Stare, Drosseln und andere Vögel wurden schon gehört.

1797 wurde ein Koppenbuch auch in der Wiesenbaude, der ältesten Baude des Gebirges, eingeführt.

Am 15.08.1800 besuchte Friedrich Wilhelm III. mit Königin Luise die Riesenkoppe. Der König war bis zur Hampelbaude geritten. Die Königin wurde mit einem Tragsessel bis zum Koppenplan gebracht.

1804 wurde in Petzer im Revier Riesenhein der letzte Bär geschossen.

1805 wurden auf Veranlassung des königlich-böhmischen Astronomen David von dem königlich?preußischen Generalmajor von Lindner, den 25., 26., 27. und 28. Juni auf der Riesenkoppe Pulversignale (Blinkfeuer) gegeben, um damit den Längenunter-schied zwischen Prag und Breslau zu bestimmen.

1807 wurde die hölzerne Kirche von St. Peter in den Siebengründen durch eine steinerne ersetzt.

1810 haben mutwillige Koppenbesteiger die Kapelle auf der Koppe verunehrt. Das Innere derselben wurde verunheiligt und die Heiligenbilder verstümmelt.

1810, am 10. Dezember, ereignete sich in den frühen Morgenstunden das sonderbare Schauspiel, dass der Zacken stille stand, d. h. auf mehrere Stunden zu fließen aufhörte, und zwar so, dass sein Bett vom Gebirge weg bis zu seiner Mündung in den Bober stellenweise fast trocken lag und man trockenen Fußes hindurchgehen konnte. Dieses Phänomen hat sich nach Aufzeichnungen siebenmal wiederholt, und zwar 1703 am 17.03. von 6 bis 9 Uhr früh, 1746 Mitte März, nach Thebesins, 1773 am 19.03. früh von 5 bis 9 Uhr, 1785 am 03.12. früh von 4 bis 6 Uhr und am 19.03. früh von 5 bis 7 Uhr. 1810 am 10. Dezember früh von 6.30 bis 7.30 Uhr.

1819 machte man die wiederholte Entdeckung des sonderbaren Ereignisses, dass in der Agnetendorfer Schneegrube ein Granitblock von ungefähr 600 Zentner Gewicht und 10 Meter im Umfange weit fortgerückt wurde, nachdem er acht bis zehn Jahre vorher nach Aussagen lebender Zeugen eine ähnliche Wanderung von 84 Metern gemacht hatte. Man nannte ihn daher den wandernden Stein.

1819, am 12. Mai, sah man eine seltene meteorologische Erscheinung. An der Koppe zeigte sich, von Süden kommend, eine kleine Wolke am heiteren Himmel. Schnell breitete sich die Wolke nach dem Tal aus. Zum Erstaunen aller fing es zu donnern an und plötzlich waren Tal und Gebirge in der Zeit von 60 Minuten in ein schweflig riechendes Dunkel gehüllt, dass man selbst nahe Gegenstände nicht erkennen konnte und die untergehende Sonne nur wie eine glühende rote Scheibe erschien. Am andern Morgen war der Nebel wieder verschwunden und die Koppe frei.

1824 wurde die ehemalige Laurentius-Kapelle auf der Koppe, zu einer willkommenen Herberge für Koppenbesteiger eingerichtet. Sie bot den Besteigern nicht nur Speise und Trank, sondern auch Liegestatt für zehn bis zwölf Personen.

1838 wurde von König Friedrich Wilhelm II. die mit ausgewanderten protestantischen Tirolern besetzte Kolonie Zillertal gegründet. Sie erstreckte sich in der mittelgebirgischen Gegend des schlesischen Riesengebirges von Erdmannsdorf bis Seidorf.

1850 hat der Gastwirt Sommer das 1. Koppenhaus mit einem Kostenaufwand von 2000 Thalern erbaut.

1857 brannte durch verbrecherische Hand das Hospiz ab.

1862 brannte es abermals durch Blitzschlag ab und wurde zum dritten Male aufgebaut.

1867 hat ein Gastwirt aus Kleinaupa auf der Koppe ein Gasthaus erbaut, das 1870 in den Besitz Sommers überging.

1875 wurden beide Gasthäuser bis zum Mai 1945 Besitz der Familie Pohl.

1897, am 29. Juli, richtete ein Erdrutsch im Riesengrund, welcher die Häuser Nr. 108 und 109 und deren Bewohner verschüttete, ungeheuren Schaden im gesamten Aupatal an.

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